„Mich erinnert Maxe Baumann sehr an Loriots Papa ante portas“
Petra Blossey über ihre Rückkehr von „Unter Uns“ auf die Theaterbühne und ihre familiäre Verbindung zu Beelitz
Frau Blossey, nach Ihrem Karrierestart an mehreren Theatern standen Sie 25 Jahre lang als Irene Weigel in der Serie „Unter Uns“ vor der Kamera. Fühlen Sie sich freier, jetzt wieder auf der Theaterbühne zu stehen?
Auf jeden Fall! Ich war vor der Serie viele Jahre in Cottbus am Theater, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Als der Anruf kam, in Köln zu arbeiten, habe ich alles in die Wege geleitet, das Angebot anzunehmen. Man muss genau abwägen: Die Arbeit bei „Unter Uns“ in Köln hatte auch damit zu tun, dass ich regelmäßiges Einkommen hatte. Ich hatte ja noch zwei kleine Kinder. Ich hatte großes Glück, die Familie Weigel wurde in der Serie gut angenommen und auch Irene Weigel, meine Rolle, ganz besonders. Ich habe sie viele Jahre lang verkörpert. Aber eines Tages dachte ich: Jetzt ist genug! Ich ließ mir Zeit, um wieder etwas Neues zu beginnen.
Es ist ein großer Unterschied, ob man vor der Kamera steht oder direkte Rückkopplung vom Publikum hat. Ich wollte unbedingt wieder Theater spielen!
Stichwort Publikum: Sie sind ja in der Region geboren und aufgewachsen und leben jetzt auch wieder in Potsdam. Was zeichnet die Menschen hier für Sie aus?
Meine Heimat ist für mich das Wichtigste gewesen. Ich wollte immer nach Potsdam zurück. Die Kölner und Düsseldorfer sind ja klassische rheinische Frohnaturen. Hier sind die Menschen nicht muffelig oder unfreundlich, aber vom Schlag her so ein Mittelding zwischen den Frohnaturen und den wortkargen Menschen von der Küste. Sozusagen eine gelungene Mischung.
Was verbinden Sie persönlich mit Beelitz?
Meine Großmutter hat viele Jahre in Fichtenwalde gelebt, wir haben sie die „Wald-Oma“ genannt. Wir sind sehr oft zu Besuch gewesen. Zu Weihnachten gab es da natürlich immer Geschenke für uns. Es gibt so viele schöne Erinnerungen, die ich mit Fichtenwalde verbinde. Meine Cousine lebt sogar heute noch dort. Mein Vater hatte sich kurz vor der Wende selbstständig gemacht und zu meiner Mutter gesagt: ,Wir ziehen jetzt nach Fichtenwalde`. Meine Mutter wollte das auf keinen Fall. Dann hat sie es sich doch noch überlegt und ist nach einem Jahr auch nach Fichtenwalde gezogen.
Heute ist es etwas traurig dort: Meine Eltern leben leider nicht mehr, und immer, wenn ich jetzt da bin und den Weg zum Haus sehe, sehe ich meine Mutter in der Tür stehen.
Aktuell sind Sie ja wieder täglich in Beelitz. In unserer Festspielfamilie sind Sie und Bürger Lars Dietrich, Ihr Ehemann im Stück, ausgebildete Balletttänzer. Wird es da auch Tanzszenen auf der Bühne geben?
Ich hoffe doch! Wenn wir beide uns schon gut bewegen können, sollte man das doch nutzen. Das Premierenpublikum kann überrascht sein, ob es wirklich dazu kommt.
Mit Giso Weißbach, ebenfalls Mitglied des Festspielensembles, standen Sie in diesem Jahr schon bei „My Fair Lady“ auf der Bühne. Das ist eines der Stücke, die fast täglich an einem deutschen Theater aufgeführt werden. Was glauben Sie, warum findet „Maxe Baumann“ erst jetzt den Weg zurück auf die Bühne?
Das Stück ist im Osten sehr bekannt, aber nicht allgemein in Deutschland. Alexander g. Schäfer hatte schon länger vor, das Stück zurück auf die Bühne zu bringen. Aber erst jetzt klappt es. Es ist eine tolle Sache, dass wir „Maxe Baumann“ wieder aufnehmen! Und das noch dazu jetzt Alexander g. Schäfer die Rolle seines Vaters übernimmt und auch Regie führt, ist doch großartig! Vielleicht kommt das Stück jetzt ja auch so gut an, dass es noch Fortsetzungen der Inszenierung gibt.
Was macht für Sie Maxe Baumann aus?
Auf wunderbare Weise erinnert mich Maxe Baumann an Loriots Film „Papa ante portas“. Da kommt Loriot mittags nach Hause, weil er in den Vorruhestand entlassen wurde. Und seine Frau Evelyn Hamann sagt: ,Mein Gott, hast du mich erschreckt!` Er antwortet brüskiert: ,Ich wohne hier!` Und sie sagt: „Aber doch nicht jetzt, um diese Zeit!“.
Das alles hat so eine Parallele zu unserem Stück: Rentner, die noch nicht mit ihrer neuen Rolle zurechtkommen und sich neu erfinden müssen. Sie bringen erst einmal alles mögliche durcheinander. Und zwar so, dass es einfach ein Vergnügen ist, dabei zuzuschauen!


