Beelitz geht neue Wege in der Waldbrandprävention

Der große Waldbrand Ende Juni dieses Jahres nahe der Stadt Beelitz vernichtete innerhalb kürzester Zeit ca. 200 Hektar des Landeswaldes und versetzte unsere Anwohner waldnaher Gebiete in Angst um ihr Hab und Gut. Dank der Anstrengungen und der guten Zusammenarbeit der zahlreichen Feuerwehren des Landes Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt vor Ort sowie der Experten von @fire konnte das Schlimmste, nämlich die Gefährdung von Menschenleben und das Übergreifen des Feuers auf die Wohnsiedlungen verhindert werden. Dabei wandte die Katastrophenschutzorganisation @fire eine Methode aus den USA an, die in Deutschland bisher kaum bekannt ist. Sie schlugen eine Schneise in den Wald und legten von dort aus ein kontrolliertes Gegenfeuer, das dem eigentlichen Feuer, die Nahrung nahm.

Um solchen Großschadenereignissen in Zukunft vorzubeugen und für den Ernstfall gewappnet zu sein, erstellt die Stadt Beelitz nun in Zusammenarbeit mit der Waldbrandexpertin Juliane Baumann einen integrativen Managementplan zur Waldbrandprävention, der den Bevölkerungsschutz insbesondere in den Ortsteilen Fichtenwalde, Beelitz-Heilstätten und Beelitz, die im oder am Wald liegen, fokussiert.

Zusammen mit dem Bürgermeister Bernhard Knuth, dem Stadtförster Martin Schmitt, dem Stadtwehrführer Mathias Jahn, Sebastian Klamt von der Freiwilligen Feuerwehr Fichtenwalde und dem Leiter des Ordnungsamtes Bernd-Rüdiger Ahlfeld werden dabei die Erfahrungen aus den Waldbränden von 2018 nahe Fichtenwalde und 2022 ausgewertet und Ideen zum Schutz vor zukünftigen Waldbränden gesammelt. In Vor-Ort-Begehungen direkt nach den Löscharbeiten und in einem weiteren Treffen vor zwei Wochen haben sich die Beteiligten dabei auf die wichtigsten Maßnahmen und einen Fahrplan verständigt.

Bereits nach dem Waldbrand bei Fichtenwalde vor vier Jahren hat die Stadt Beelitz viele Präventionsmaßnahmen getroffen und dabei unter anderem zehn Tiefbrunnen angelegt, Waldwege ausgebaut, Waldbrandwundstreifen wieder in Betrieb genommen und den Wald fortlaufend in einem feuerresilienten Mischwald umgewandelt.

Diese Maßnahmen werden selbstverständlich fortgesetzt. Neben der Erschließung weiterer sogenannter Löschwasserentnahmestellen an den Waldwegen (Fördermittel dafür werden beantragt), aber auch im Stadtgebiet, sollen die Hauptwege im Wald für schwere Fahrzeuge befahrbar gemacht und wichtige Übergänge wie Brücken nicht nur statisch untersucht, sondern auch ertüchtigt werden, sodass Rettungsfahrzeuge sie im Ernstfall überqueren können.

Stadtförster Martin Schmitt zieht zudem noch ein weiteres Resümee: „Aufgrund der negativen Erfahrungen von Treuenbrietzen, dass stehendes und liegendes Totholz zu einem erneuten Risiko für Waldbrände und Bevölkerungsschutz werden kann, da dieses Brände beschleunigt und Löscharbeiten erschwert, werden in Beelitz alle toten Bäume entnommen, um eine zusätzliche Brandlast zu verhindern. Die Kahlflächen werden entweder über Sukzession oder aktiv mit Laubholz wieder aufgeforstet.“

Eine Sicherung des Waldfriedhofes vor Waldbränden ist ebenfalls geplant.

Auch ein Sicherheitskonzept ähnlich dem, das für die LAGA erstellt wurde, wird erarbeitet. Die Kategorisierung und Kartierung des Waldes soll dabei den Einsatzkräften sowohl digital als auch per handlicher Karte sämtliche Löschwasserentnahmestellen, Rettungspunkte, Kampfmittelverdachtsflächen und Belastungsflächen aufzeigen und so der Orientierung dienen.

Um sich auf weitere Waldbrände vorzubereiten, übt die Freiwillige Feuerwehr Beelitz immer wieder den Einsatz im Forst und bildet sich diesbezüglich weiter. So ließen sich zuletzt im August 20 Beelitzer Kameraden vom Expertenteam @fire zur Vegetationsbrandbekämpfung schulen. Stadtwehrführer Mathias Jahn berichtet außerdem, dass der Einsatz der zwei neuen Frontwerfer (Fahrzeuge mit Wasserwerfern über dem Kühlergrill) sich bereits beim Waldbrand im Juni ausgezahlt haben.

Die Expertin und Beraterin für integrative Waldbrandvorsorge, Juliane Baumann schlägt zur Prävention zudem einen ganz neuen Ansatz vor: „Als Schutz vor Waldbränden und einem direkten Überspringen des Feuers in die Ortschaften hinein, werden auch waldbauliche Maßnahmen der angrenzenden Waldflächen nötig. Mit dem Konzept „Brandherde“ wird der Schutz vor Waldbränden durch eine strategisch angelegte Pufferzone erzielt, in der eine klare Trennung von Wald und Ortschaft erreicht wird. Im Gegensatz zu einer baumfreien Lösung durch breite Brandschneisen, entstehen durch den Aufbau einer Pufferzone gleichzeitig ökologisch wertvolle Übergangsbereiche mit lichtem Baumbestand. (…) Die Pufferzone erstrecken sich wie ein Band um die Ortschaft und besteht aus drei Teilbereichen längs zur Ortsgrenze. Von innen nach außen werden drei Schutzstreifen aufgebaut. Ein schmales baumfreies Band, das direkt an der Ortsgrenze anliegend verläuft, verhindert direkte Feuerbrücken in eine Wohnsiedlung hinein. Anschließend wird durch einen Waldbrandschutzstreifen aus einem Lichtwald, d.h. einem stark aufgelichteten Bestand, der frei von Bodenvegetation ist die Ausbreitung eines Waldbrandes unterdrückt. Die Pufferzone erstreckt sich dann in einen normalen Waldbestand in dem der Unterstand aber noch stark reduziert wird. Diese drei Sicherheitszonen in der Peripherie der Ortslagen sollen durch Beweidung (Waldweide) möglichst frei von Bodenvegetation gehalten werden, so wie es auch im ökologischen Trassenmanagement üblich ist.“

Diese Idee der sogenannten „Waldweide“, die in vielen Länder Südeuropas zur Waldbrandprävention bereits erfolgreich praktiziert wird, könnte nun auch in Beelitz Anwendung finden, da sich mit einer „räumlichen Ordnung“ der brennbaren Masse im Wald das Verhalten und der Verlauf des Feuers maßgeblich bestimmen und in der Ausbreitung reduzieren lassen. Das Wissen um diese Art des präventiven Waldbrandmanagements eignete sich die studierte Öko-Agrarmanagerin (Master of Science) in ihrer Zeit bei der Feuerwehr des Nordspanischen Autonomiegebietes Katalonien von 2006 bis 2016 an. Nun soll das Konzept auch in Deutschland realisiert werden.

Bürgermeister Bernhard Knuth zeigt sich von der Idee begeistert: „Das Konzept bietet die Möglichkeit mit präventiven Eingriffen in die Natur unsere Bevölkerung zu schützen, ohne dabei den Naturschutz, den Erhalt der Artenvielfalt und den Umweltaspekt aus den Augen zu verlieren.“